ÖFFNUNGSZEITEN 2021

JEDEN SAMSTAG von 13.00-17.00 UHR. Bitte reservieren über bezoekers.smev@gmail.com

AHOI KINDER!

Für Kinder von ca. 7-12 haben wir ein kostenloses Suchspiel in deutscher Sprache, das sie während des Rundgangs in Begleitung ihrer Eltern machen können!

WILLKOMMEN AN BORD!

Tauchen Sie ein in die Welt eines niederländischen Marineschiffs aus den 1950er Jahren. Sehen Sie wie die Besatzung an Bord lebte, besuchen Sie die Kommandozentrale, den Funkraum, den Maschinenraum und vieles mehr. Und bestaunen Sie die einzigartige Sammlung von Miniaturmodellen von Marineschiffen. Und: Treffen Sie den berühmtesten Vlissinger aller Zeiten, Michiel de Ruyter!

Planen Sie für einen Besuch ca. 1-1,5 Stunden ein!

EINTRITT

  • Erwachsene: € 5,-
  • Kinder bis 12 Jahre: € 1,50
  • Sie können an Bord in bar oder mit Karte zahlen.

HAUSREGELN

  • Mit der Zahlung des Eintrittsgeldes erklären Sie sich mit diesen Hausregeln einverstanden.
  • Anweisungen unserer Guides sind immer zu befolgen.
  • Aus Sicherheitsgründen bleiben Kinder unter Begleitung ihrer Eltern.
  • Nur die angezeigten Räume auf dem Schiff sind zugänglich.
  • Die Mercuur ist rauchfrei.
  • Der Besuch des Mercuur erfolgt auf eigenes Risiko.
  • Die Inhaberstiftung haftet nicht für die Folgen von Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit.

ANFAHRT

Die Mercuur liegt an der Houtkade in der Innenstadt von Vlissingen.

PARKEN

Sie können direkt am Mercuur auf dem Parkplatz Koningsweg parken (erste 3 Stunden kostenlos!) Oder – etwas weiter – im Parkhaus Scheldeplein.

BARRIEREFREIHEIT

De Mercuur wurde in den 1950er Jahren nach den Standards eines Marineschiffs gebaut. Das bedeutet steile Treppen, niedrige Decken und Schwellen. Leider ist das Schiff daher für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich.

HINTERGRUNDINFOS ÜBER DIE MERCUUR

HISTORIE

Die Mercuur ist ein ehemaliges Torpedoarbeitsschiff der Königlichen niederländischen Marine, gebaut in den fünfziger Jahren als Minensucher. Zwischen 1972 und 1986 war sie als Torpedoarbeitsschiff im Einsatz. Nach ihrer aktiven Laufbahn wurde sie als Museumsschiff in Gebrauch genommen, anfangs in Amsterdam und anschließend 22 Jahre in Scheveningen, wo eine private Stiftung, unterstützt von zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern sie als Museumsschiff betreiben konnte.   

2015 drohte jedoch das Ende, weil eine durch das Verteidigungsministerium verordnete Untersuchung aller Marine-Schiffe an Bord einen Asbestbefund erbrachte und das Schiff ab sofort geschlossen werden musste. Der Scheveninger Stiftung gingen bereits allmählich die ehrenamtlichen Helfer aus und sah sich nicht mehr in der Lage, das Schiff nach einer Asbestsanierung und den daraus erfolgenden Sanierungsschäden wieder instandsetzen zu können. Somit drohte das Aus und die Abwrackung. Die Marine nahm das Schiff zurück und ließ es nach Den Helder schleppen und deutete an, dass sie für das Schiff nach einer Asbestsanierung keine Verwendung mehr hatte und zur Abwrackung freigeben würde. Die Stichting Maritiem Erfgoed Vlissingen (Stiftung Maritimes Erbe Vlissingen) hat sie jedoch mit Hilfe Dritter vor dem Untergang retten können und im guten Einvernehmen mit der Marine und der Scheveninger Stiftung wurde das Schiff auf Veranlassung des Verteidigungsministeriums von einer Spezialfirma asbestsaniert und im September 2017 offiziell übertragen.  

Zahlreiche Ehrenamtliche haben das Schiff seitdem Schritt für Schritt ausgebessert und wieder eingerichtet als Museumsschiff. Die gesamte technische Ausrüstung musste erneuert werden. An Bord wird die Geschichte des Schiffes erzählt mit als Schwerpunkten der Minendienst, der Torpedodienst und die besondere Beziehung zwischen der Marine und der Stadt Vlissingen im Rahmen der maritimen Geschichte von Vlissingen.

Das Schiff wurde 1952-1954 als Ozeanminensucher in den USA gebaut. Es wurde im Rahmen des Mutual Defense Assistance Programms den Niederlanden zur Ausleihe übertragen. Die Vereinigten Staaten halfen den europäischen Staaten mit dem Wiederaufbau ihrer Streitkräfte. Die Absicht war eine Verteidigung zu bilden gegen den damaligen Ostblock in Zeiten des Kalten Krieges. Die niederländische Marine hatte im Zweiten Weltkrieg schwere Verluste erlitten, menschlich und materiell.

Der Großteil der Flotte war im Kampf verloren gegangen oder nicht mehr einsetzbar. Ein trauriges Beispiel für die hohen menschlichen Verluste war die Schlacht in der Javasee im damaligen Niederländisch-Ostindien, dem heutigen Indonesien. Im Kampf gegen die japanische Flotte fielen damals etwa 900 Opfer und waren zahlreiche Verletzte zu bedauern. In der Schlacht sanken drei niederländische Schiffe.  

Der Wiederaufbau nach dem Krieg ging zunächst langsam voran und das wenige Geld musste mit Vernunft ausgegeben werden. Zwei Kreuzer, die Hr. Ms. De Ruyter und die Hr.Ms. Zeven Provinciën wurden fertig gebaut und es wurde ein Anfang gemacht mit dem Bau von einer großen Anzahl Minensuchern. Der Ausbau der Minensuchkapazität war lebensnotwendig, denn in der Nordsee hatten die Kriegsparteien hunderttausende Minen gelegt bzw. abgeworfen aus Flugzeugen. Noch bis heute werden Minen gefunden und entschärft. Die Hr.Ms. Onverschrokken –  später Mercuur genannt – kam 1954 nach Holland und wurde sofort in die Reserveflotte übernommen, auch weil es einen großen Personalmangel gab.  

Wahrscheinlich hat sie nie als Minensucher gedient, was auch für die fünf Schwesterschiffe gilt. Im Jahre 1972 wurde das Schiff aber umgebaut und war bis 1987 als Torpedoarbeitsschiff unter dem Namen Mercuur im Einsatz. Ein Torpedoarbeitsschiff ist unerlässlich für eine Marine, die Torpedos verwendet. Ein solches Schiff funktioniert als Zielschiff für Torpedoübungen durch U-Boote, Überwassereinheiten, Flugzeuge und Hubschrauber. Eigentlich alles was mit einem Torpedo bewaffnet werden kann. Alles dreht sich um die Feineinstellung der Torpedos und der entsprechende Torpedoabschussvorrichtungen sodass diese im richtigen Moment für Kriegszwecke eingesetzt werden können. Selbstverständlich wurden keine Kriegstorpedos mit Kriegsladung auf die Mercuur abgefeuert, doch mit den richtigen Feinabstellungen konnten Torpedos in gefürchtete Waffen verwandeln. Darüber hinaus konnte die Mercuur auch als Transportschiff dienen und Ersatztorpedos mitnehmen. Die Mercuur war somit kein Kriegsschiff in dem Sinne dass sie sich an einem Kampf beteiligen sollte. Das A auf dem Schiffsrumpf steht nicht ohne Grunde für das A von Auxiliary, also Hilfsschiff.

TECHNISCHE DATEN

  • 690 Tonnen Wasserverdrängung
  • 53 Meter Länge
  • 10,7 Meter Breite
  • 3,2 Meter erlaubter Tiefgang
  • 17,8 Meter Masthöhe

DIE KÖNIGLICHE MARINE UND VLISSINGEN

Die Beziehung zwischen der Marine und Vlissingen stammt aus dem 16. Jahrhundert. Von Anfang an wurde der Wert des Vlissinger Hafens erkannt. Der Hafen wurde nach und nach zur größten Marinebasis im Süden Hollands. Das sahen auch die Engländer ein. Daher erfolgte 1809 ein Angriff ium die Marinebasis auszuschalten und einer Invasion französischer Truppen vorzubeugen. Im 19. Jahrhundert wurde aus Einschränkungsgründen die Marinewerft geschlossen. Die Anwesenheit beschränkte sich auf ein immer kleineres Wachtschiff und manchmal sogar gar kein Schiff.

Das änderte sich während des russisch-japanischen Krieges 1904-1905. Nicht aus Angst vor einem Angriff aber eher um etwaige Waffentransporte über die Schelde von Belgien aus zu kontrollieren. Der Erste Weltkrieg brachte größere Änderungen mit sich. Die Niederlande blieben zwar neutral, doch es oblag der Marine und dem Heer diese Neutralität erzwingen zu können. Vlissingen an der Schelde wurde wieder von größerer Bedeutung und das war klar zu sehen im Straßenbild und in den Häfen, mit mehr Marineschiffen und Matrosen.

Außerdem war inzwischen auch der Bau von U-Booten hier in VLissingen, auf der Werft De Schelde aufgekommen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine Marinekaserne gebaut. Im Hafen lag ein großes Wachtschiff für Personalausbildung und im Hafe lagen immer Kriegsschiffe im aktiven Dienst. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Vlissingen als kriegswichtiges Ziel bombardiert. Dabei sank unter anderem Hr. Ms. Bulgia. Nach 1945 drohte erneut der Abzug der Marine. Die Marinekaserne war durch Kriegsgewalt verloren gegangen, die Personalausbildung wurde versetzt. Nachdem eine neue Kaserne gebaut worden war wurde Vlissingen allmählich eine der bedeutendsten Stationen des Minendienstes. Sparmaßnahmen versalzten die Suppe jedoch aufs Neue. Der Minendienst wurde kleiner, zog nach Den Helder um und schließlich sogar nach Zeebrugge. Der Nutzen der Kaserne nahm ab und sie wurde abgerissen.

DOCKHAFEN UND UMGEBUNG

Eine Marine braucht Fazilitäten für Instandhaltung, Wartung, Bau und Ausrüstung von Schiffen und die Ausbildung von Personal. Ein Hafen mit Anlaufkai und mit Lagerhallen ist das Wenigste. Neubau oder die Fähigkeit Reparaturtätigkeiten auszuführen bringen andere Forderungen mit sich. So entstand das Bedürfnis nach einem Trockendock für Instandhaltung der Unterwasserteile der Schiffe und Hellinge um ein Schiff auf Stapel zu legen. 

Die Mercuur liegt jetzt im Herzen der alten Marinewerft wo später die Königliche Maatschappij De Schelde entstand. Wenn Sie auf dem Bug der Mercuur stehen und nach Backbord sehen, nach links also, sehen Sie ein Trockendock und geradeaus die letzten Reste der Hellinge. Das Gewässer in dem die Mercuur jetzt liegt ist ursprünglich ein Hafen aus dem 16. Jahrhundert. Dort verblieben die Schiffe im Winter. An Steuerbordseite, also nach rechts, sehen Sie die Maschinenfabrik Kon. Mij. De Schelde. Vor Ort wurden da die Maschinen gebaut für die Kriegsschiffe und die vielen zivilen Schiffe, die die Werft in mehr als hundert Jahren baute. Vom Kai dieser Fabrik fuhr auch der Kreuzer Hr.Ms. Java nach Niederländisch-Ostindien ab. Im Jahre 1942 ging er in der Schlacht in der Javasee zugrunde.